Max Frisch - Fragebogen
Max Frisch war ein Schweizer Schriftsteller und Dramatiker. In seinem Tagebuch 1966–1971 veröffentlichte er Fragebogen zu grundlegenden Themen des Lebens. Später wurden sie gesammelt und erweitert herausgegeben. Das Besondere: Die Fragen verlangen keine richtige Antwort. Sie prüfen vielmehr, ob man die eigenen Überzeugungen wirklich zu Ende gedacht hat. Oft folgt auf eine scheinbar einfache Frage eine zweite, die die erste Antwort unangenehm macht.
Die Bögen sind thematisch geordnet und umfassen, mit späteren Ergänzungen, folgende Bereiche:
- Erhaltung des Menschengeschlechts – Ob die Menschheit überhaupt erhaltenswert ist, worauf dieser Anspruch beruht und ob unser angebliches Interesse an kommenden Generationen mit unserem tatsächlichen Verhalten übereinstimmt.
- Ehe – Liebe und Institution, Treue, Gewohnheit, Besitzanspruch und die Frage, ob eine Beziehung noch freiwillig ist, wenn ihre Auflösung als Scheitern gilt.
- Frauen – Männerbilder von Frauen, Projektionen, Begehren, Gleichberechtigung und die Frage, wie viel vermeintliches Wissen über das andere Geschlecht eigentlich nur Selbstbeschreibung ist.
- Hoffnung – Ob Hoffnung Kraft oder Selbsttäuschung ist, ob man ohne Hoffnung handeln kann und ob Hoffen manchmal nur bedeutet, notwendige Konsequenzen aufzuschieben.
- Humor – Worüber man lachen kann, worüber nicht, ob Humor Überlegenheit voraussetzt und ob man wirklich über sich selbst lachen kann oder nur über ein Bild von sich.
- Geld – Das Verhältnis zu Reichtum, Armut, Sicherheit, Großzügigkeit und Neid. Besonders wichtig ist der Widerspruch zwischen dem, was man über Geld behauptet, und dem, was man tatsächlich dafür tut.
- Freundschaft – Erwartungen an Freunde, Loyalität, Ehrlichkeit, Abhängigkeit und die Frage, ob man einen Freund noch will, wenn er sich grundlegend verändert.
- Vaterschaft – Kinder als eigenständige Menschen oder als Fortsetzung des eigenen Lebens; Erwartungen, Verantwortung, Enttäuschung und der Wunsch, im Kind etwas von sich zu bewahren.
- Heimat – Ob Heimat ein Ort, eine Sprache, eine Erinnerung oder eine Gewohnheit ist; ob man sie freiwillig wählen kann und was übrig bleibt, wenn man sie verliert.
- Eigentum – Was wir besitzen und was dadurch uns besitzt; Sicherheit, Status, Verlustangst und die Frage, wie stark Eigentum die persönliche Freiheit tatsächlich einschränkt.
- Tod – Die eigene Sterblichkeit, die Vorstellung des Nichtmehrseins, Angst, Verdrängung und der Unterschied zwischen der Angst vor dem Tod und der Angst vor dem Sterben.
- Moral – Ob moralische Überzeugungen auch dann gelten, wenn sie persönliche Nachteile verursachen; Selbstgerechtigkeit, Schuld und die Diskrepanz zwischen Urteil und Verhalten.
- Alkohol – Warum man trinkt, was man sich davon erlaubt, welche Ausreden gesellschaftlich akzeptiert werden und ob der Alkohol etwas enthüllt oder nur eine bequeme Entschuldigung liefert.
- Technik – Fortschrittsglaube, Abhängigkeit, Kontrolle und Verantwortung; insbesondere die Frage, ob alles, was technisch möglich ist, deshalb auch getan werden sollte.
Die Fragen sind urheberrechtlich geschützt, daher kann man sie nicht vollständig zitieren, sie lauten aber ungefähr so:
- Bist du überzeugt, dass die Menschheit erhalten bleiben sollte?
- Wenn ja: Warum?
- Kannst du dir vorstellen, dass die Menschheit verschwindet, ohne diesen Gedanken als Katastrophe zu empfinden?
- Was genau würde verloren gehen, wenn es keine Menschen mehr gäbe?
- etc.